Woher kommt dieser Gedanke überhaupt?

Viele von uns verbinden das Erlernen eines Instruments mit Kindern oder Jugendlichen. Wir sehen Videos von Wunderkindern, die mit acht Jahren virtuos spielen, und denken automatisch: „Jetzt ist der Zug wohl abgefahren."

Dabei vergleichen wir uns mit Ausnahmen. Die allermeisten Menschen spielen ein Instrument nicht, um Wettbewerbe zu gewinnen oder Konzertsolisten zu werden. Sie möchten Musik machen, ihre Lieblingssongs spielen oder gemeinsam mit anderen musizieren – als Hobby. Und dafür gibt es keine Altersgrenze.

Erwachsene haben sogar einige Vorteile

Kinder lernen vieles intuitiv. Erwachsene lernen anders.

Du hast wahrscheinlich schon viele Jahre Musik gehört. Du kennst verschiedene Stilrichtungen, erkennst Songs wieder und hast ein gutes Gefühl dafür, was dir gefällt. Außerdem gehst du bewusster an das Lernen heran. Du möchtest verstehen, warum etwas funktioniert, statt nur Anweisungen nachzuspielen. Genau das kann ein großer Vorteil sein.

Mit 40, 50 oder 60 lernt man nicht schlechter – sondern anders

Natürlich verändert sich das Lernen mit dem Alter. Neue Bewegungsabläufe brauchen manchmal etwas länger. Dafür bringst du Eigenschaften mit, die viele jüngere Schülerinnen und Schüler erst entwickeln müssen:

In meiner Erfahrung gleichen diese Eigenschaften den kleinen Geschwindigkeitsunterschied oft mehr als aus.

Talent ist nicht der entscheidende Faktor

Viele glauben, gute Musiker*innen seien einfach talentierter. Natürlich gibt es Menschen, denen manches leichter fällt. Viel wichtiger ist aber etwas anderes: Regelmäßigkeit.

Wer kontinuierlich und sinnvoll übt, macht Fortschritte. Nicht möglichst viele Stunden bringen dich weiter, sondern die richtigen Übungen und ein klarer Plan.

Der größte Stolperstein ist oft der Kopf

Die meisten Erwachsenen scheitern nicht an ihren Fingern. Sie scheitern an Gedanken wie: „Ich bin zu alt." „Dafür fehlt mir das Talent." „Ich habe sowieso zu wenig Zeit."

Diese Gedanken sorgen häufig dafür, dass Menschen gar nicht erst anfangen. Dabei braucht niemand mehrere Stunden Übungszeit am Tag. Oft reichen schon 15 bis 30 Minuten konzentriertes Üben, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Es ist wie beim Erlernen einer Fremdsprache: Wer jeden Tag ein paar neue Wörter wiederholt, macht meist größere Fortschritte als jemand, der sich einmal im Monat einen ganzen Samstag Zeit nimmt. Unser Gehirn lernt durch Wiederholung und Regelmäßigkeit – das gilt für Sprachen genauso wie für ein Instrument.

Ohne Leistungsdruck lernt es sich besser

Musikunterricht weckt bei manchen noch Erinnerungen an die Schulzeit: Vorspielen vor der Klasse, Noten, Prüfungen.

Mein Unterricht funktioniert anders. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder möglichst schnell voranzukommen. Wir arbeiten an deinen Zielen, in deinem Tempo und mit der Musik, die dich begeistert. Fehler gehören selbstverständlich dazu. Sie sind kein Rückschritt, sondern ein ganz normaler Teil des Lernprozesses.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wenn du schon länger darüber nachdenkst, Bass zu lernen, dann lautet meine Antwort: Jetzt.

Nicht, weil morgen alles zu spät wäre, sondern weil es keinen Vorteil bringt, noch ein Jahr zu warten. Du musst nicht perfekt starten, sondern nur anfangen.

Mein Fazit

Ich habe bereits Menschen unterschiedlichsten Alters unterrichtet. Fast nie war das Alter der Grund dafür, dass jemand keine Fortschritte gemacht hat.

Der wichtigste Faktor ist aus meiner Erfahrung die Regelmäßigkeit. Wer kontinuierlich übt, macht Fortschritte. Nicht immer von Woche zu Woche sichtbar, aber über Monate und Jahre oft erstaunlich deutlich. Wenn du Freude am Bassspielen hast und bereit bist, dir diese Zeit regelmäßig zu nehmen, stehen die Chancen gut, dass du kontinuierlich Fortschritte machst – ganz unabhängig davon, ob du 20, 40 oder 65 Jahre alt bist.